Vorlage - VO/23/19898/68  

 
 
Betreff: Stadtbahn - Planungsstand Abschnitte Innenstadt Nord und Süd
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage
Berichterstatter/in:Planungs- und Baureferentin Schimpfermann
Federführend:Amt für Stadtbahnneubau - Regiebetrieb der Stadt Regensburg   
Beratungsfolge:
Ausschuss für den Neubau einer Stadtbahn Entscheidung
13.07.2023 
Öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für den Neubau einer Stadtbahn ungeändert beschlossen   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag
Anlage/n

Sachverhalt: 

 

Die Planung der Stadtbahntrasse und der von der Trassenplanung berührten Verkehrsräume erfolgt in einzelnen Abschnitten. Nachfolgend wird der Planungsstand zum Trassenabschnitt „Innenstadt“ zur Kenntnis gegeben. Dabei werden der nördliche und südliche Abschnitt aus verkehrlichen Aspekten heraus in dieser Vorlage zusammengefasst.

 

Der Planungsstand stellt einen Arbeitsstand dar, der im Ergebnis der bisher erfolgten fachplanerischen und verwaltungsinternen Abstimmungen erarbeitet wurde. Bis Abschluss des Masterplans erfolgen weitere Detailprüfungen und Überarbeitungen. Insbesondere sind im Weiteren durch die Beteiligung von Fachbehörden und der Öffentlichkeit ggf. aufgeworfene Fragen noch aufzunehmen und darauf bezogene Lösungen zu entwickeln. Eine abschließende Variantenabwägung ist derzeit noch nicht erfolgt.

 

Parallel zu den Planungen zur Einführung einer Stadtbahn befinden sich Konzepte auch zu anderen Verkehrsträgern (z.B. Aufbau eines S-Bahn ähnlichen Verkehrs im Großraum) sowie teilräumliche Konzepte (z.B. Altstadterschließungskonzept) in Bearbeitung. Auf regionaler Ebene wird das Mobilitätskonzept Großraum Regensburg die Zielrichtung darstellen und die Abstimmung der Einzelmaßnahmen für die gesamte Region leisten. Mit Blick auf die Darstellung und Koordination aller Zielstellungen der Stadt Regensburg (z.B. aus dem Green Deal oder dem Regensburg-Plan 2040) ist die Erstellung eines übergreifenden Planwerks durch das Stadtplanungsamt für Regensburg vorgesehen. Hierzu ist beabsichtigt diese übergeordnete Verkehrskonzeption im Rahmen des sog. Sustainable Urban Mobility Plan (SUMP) – also eines nachhaltigen städtischen Mobilitätsplans - zeitnah anzugehen. Diese Pläne dienen u.a. dazu, die Einführung nachhaltiger Verkehrssysteme in Städten zu befördern. Die Stadtbahn wird als wesentlicher Baustein einzubetten sein.

 

1. Planungsansatz

 

Der Innenstadtabschnitt der Stadtbahn erschließt die Innenstadt- bzw. die zentrale Altstadt. Auf diesem Abschnitt werden beide Linien - A und B - gemeinsam geführt, wodurch in der Haupt- und Normalverkehrszeit Fahrzeugfolgen mit Taktabstände von 2,5 Minuten je Richtung abzuwickeln sind. Durch die stadtstrukturellen Gegebenheiten – insb. enge Verkehrsräume mit häufig versetzten Raumkanten in Kombination mit verdichteten verkehrlichen Ansprüchen – ergibt sich ein hoher Anspruch an die Lösungsfindung.

Im zentralen Abschnitt der Altstadt soll die Stadtbahn oberleitungsfrei verkehren. Die Oberleitung wird hierzu im Abschnitt zwischen der Haltestelle „Eiserne Brücke“ (Lage nördlich der Eisernen Brücke“) und der Zentralhaltestelle am Ernst-Reuter-Platz auf eine Länge von ca. 900 Metern unterbrochen. Die Auffahrt zur Galgenbergbrücke soll aufgrund des durch die Steigung erforderlichen Leistungsbedarfs bereits wieder unter Oberleitung erfolgen. Über die Ausgestaltung der Fahrzeugantriebstechnik und die Möglichkeiten des batteriegepufferten Betriebs wurde in der Sitzung des Ausschusses für den Neubau einer Stadtbahn am 09.03.2023 (VO/22/19658/68) berichtet. 

 

Auf dem gut einen Kilometer langen Innenstadtabschnitt liegen insgesamt drei Stadtbahnhaltestellen, die eine hohe Verkehrsbedeutung haben. Sie ersetzen im Wesentlichen die bisherige Erschließung mit zahlreichen Buslinien und sind am Dachauplatz (Erschließung östliche Altstadt/zentrale Lagen), dem Ernst-Reuter-Platz (Umstieg ZOB und Hauptbahnhof sowie Erschließung südliche Altstadt) und auf der südlichen Brückenrampe der Galgenbergbrücke (Umstieg Hauptbahnhof-Süd und Anbindung des EKZ „Regensburg Arcaden“) positioniert. Die Haltestelle auf der südlichen Brückenrampe würde dabei insbesondere kurze Umsteigewege vom SPNV zur Stadtbahn in Richtung OTH/Universität sowie zwischen den beiden Linien im Stadtsüden untereinander (z.B. von der Landshuter Straße Richtung Universität) herstellen. Für den Halt auf der Südrampe der Galgenbergbrücke ergibt sich dabei das Erfordernis, die Anforderungen der Barrierefreiheit im Folgenden noch weiter abzustimmen.

Der Verkehrsraum im Abschnitt unmittelbar auf der Brücke hat im Querschnitt drei Fahrstreifen (Gesamtquerschnitt zwischen den Borden 12,50 m), wobei die Stadtbahn in Richtung Norden auf einem abmarkierten gesonderten Gleisbereich fährt, der vom allgemeinen Kfz-Verkehr nicht befahren werden darf. In Richtung Süden verkehrt die Stadtbahn hingegen im Mischverkehr mit dem Kfz-Verkehr. Ab dem signalisierten Knoten D.-Martin-Luther-/Albertstraße verkehrt die Stadtbahn durch bevorrangte Ausfahrt aus der Haltestelle in Richtung Süden als Pulkführer über die Brücke, bis sie in die Haltestelle auf der südlichen Brückenrampe einfährt.

 

Die Planungen für den Innenstadtabschnitt Süd berücksichtigen im nördlichen Bahnhofsvorfeld weitgehend die planerischen Überlegungen des Projektes kepleR+. Grundlage der aktuellen planerischen Überlegungen für die angrenzenden Bereiche ist der Planungsstand des vorgesehenen zentralen Omnibusbahnhofs in seiner langfristigen Ausprägung und Lage unmittelbar im östlichen Bahnhofsvorfeld inkl. der vorgesehenen verkehrlichen Anpassungen im umliegenden Verkehrsnetz.

 

Mit den in der Anlage vorgestellten Planentwürfen wird ein Überblick zum Stand der Vorentwurfsplanung beider Trassenabschnitte vermittelt. Über die Planungen wird seitens der beauftragten Büros in der Sitzung berichtet. Hierbei wird auch der im Zusammenhang mit der Planung untersuchte Gesamtverkehrsablaufs im Streckenabschnitt vorgestellt.

 

 

2. Stadtbahnführung und Verknüpfung mit dem Busnetz

 

Der Streckenabschnitt erfordert eine weitgehend straßenbündige Führung der Stadtbahn. Dies bedeutet, dass Erschließungsverkehre von und zur Altstadt, zum Teil der Radverkehr und auch der verbleibende Linienbusverkehr den Straßenraum mit der Stadtbahn gemeinsam nutzen. Der außerhalb der Gleiszone zu führende Radverkehr erhält hierbei weitgehend ein gesondertes Raumangebot.

 

Aktuell weist die Innenstadtachse stellenweise eine hohe Verkehrsbelastung auf: Im Teilabschnitt Galgenbergbrücke bis Landshuter Straße beträgt der DTV 13.000 bis 16.000 Kfz pro Tag; der weiterführende Abschnitt bis zum Dachauplatz hat eine Belastung von 8.000 bis 13.000 Kfz/Tag. Eine weitgehend reibungslose Führung der Stadtbahn kann nur gelingen, wenn innerhalb des Korridors der D.-Martin-Luther-Straße Kfz-Verkehre, die nicht zwingend auf Ziele im Umfeld dieser Achse ausgerichtet sind, minimiert werden und ergänzend eine signaltechnische Bevorrechtigung des Stadtbahnbetriebs an den Knotenpunkten erfolgt. Für die verkehrliche Machbarkeit in diesem Bereich sind daher Maßnahmen für eine effiziente Führung der Stadtbahn unter Berücksichtigung der Gesamtleistungsfähigkeit des Verkehrsablaufes aller Verkehrsteilnehmer notwendig (siehe Punkt 3).

 

Der Linienbusverkehr im nördlichen Innenstadtabschnitt soll zwar mit der Stadtbahn auf ein Minimum reduziert werden. Es verbleiben jedoch im nördlichen Innenstadtabschnitt zwei Stadtbuslinien, die im Korridor gemeinsam mit der Stadtbahn abzuwickeln sind: eine im 10-Minuten-Takt verkehrende Linie in der Relation Hauptbahnhof/Interims-ZOB – Dachauplatz - Thundorfer Straße und eine weitere, ebenfalls im 10-Minuten-Takt verkehrende Linie in der Relation Minoritenweg – Dachauplatz – Thundorfer Straße. Hieraus ergeben sich Verknüpfungserfordernisse mit der Stadtbahn im Umfeld der Stadtbahnhaltestelle Dachauplatz.

 

Da die begrenzten Platzverhältnisse an den Haltestellen der Stadtbahn und die dichte Andienungsabfolge durch die Stadtbahn kaum das zusätzliche Halten der Busse am selben Steig zulassen, sind die Haltestellen für den Bus gesondert von der Stadtbahn ausgebildet (Westseite Dachauplatz, Mündung Minoritenweg). Für die vom Hauptbahnhof in nördliche Richtung verkehrende Buslinie werden die verkehrstechnischen Möglichkeiten für eine gemeinsame Abwicklung mit der Stadtbahn an der Haltestelle vor dem Historischen Museum noch geprüft. Alternativ müsste diese Buslinie in Fahrtrichtung Nord am Schwanenplatz halten, was längere Umsteigewege zwischen Bus und Stadtbahn zur Folge hätte.

Im südlichen Abschnitt (Umfeld Ernst-Reuter-Platz) werden aktuell die Busanfahrbeziehungen gemäß dem Konzept kepleR+ berücksichtigt. Die detaillierte Anzahl der aus östlicher und westlicher Richtung anfahrenden Busse wird nach Abschluss der noch laufenden Überlegungen zu den Busnetzanpassungen nochmals aktualisiert.

 

Im Innenstadtkorridor des Weiteren zu berücksichtigen ist die Abwicklung der Reisebusse am Schwanenplatz. Hier wird für die Stadtbahnführung voraussichtlich eine Anpassung erforderlich, da der Haltebereich auf Höhe des Infrastrukturgebäudes für die Busse zwischen den Stadtbahngleisen und Servicegebäude absehbar zu schmal ist und Behinderungen des Stadtbahnverkehrs durch hier längere Zeit haltenden Reisebusse vermieden werden müssen. Die Halteplätze der Reisebusse müssen deshalb entweder unmittelbar nördlich des Servicegebäudes umpositioniert (zwei Halteplätze) werden, wobei die Funktion des neuen Servicegebäudes unverändert erhalten bleiben kann. Alternativ kann auch ein neuer Standort für die Reisebusse gefunden werden. Beides wird aktuell noch geprüft.

 

Die Führung des Radverkehrs erfolgt im Gesamtabschnitt weitgehend auf einem eigenen Angebot. Im Abschnitt Dachauplatz muss der in Richtung Nord verkehrende Radverkehr allerdings auf Höhe Sinz-Gebäude/Neues Rathaus gemeinsam mit dem Kfz-Verkehr geführt werden. Im Abschnitt Schwanenplatz-Hunnenplatz muss aufgrund der geringen Breite der Durchfahrt durch das Kolpinghaus der Radverkehr auf die Ostseite des Schwanenplatzes über die Kalmünzergasse - Hunnenplatz geführt werden.

 

 

3. Altstadterschließung für den Kfz-Verkehr

 

Für den betrieblich verlässlichen Ablauf des Stadtbahnverkehrs im Innenstadtkorridor ist eine Reduzierung der bestehenden Verkehrsbelastung erforderlich. Die Verkehrsreduktion muss dabei insbesondere erfolgen, um die Leistungsfähigkeit an den Knoten im Umfeld vom Ernst-Reuter-Platz gewährleisten zu können. Hier ist eine deutliche Reduzierung der in der Spitzenstunde abzuwickelnde Kfz-Verkehre durch Unterbindung von heute noch bestehende Durchgangsverkehren erforderlich. Gleichfalls muss aber auch die Erreichbarkeit der Innenstadt für den Kraftfahrzeugverkehr mit Blick auf die Bedarfe der Anwohnenden sowie des Einzelhandels und der Anlieferbedarfe gewährleistet bleiben. Von Bedeutung ist hierbei insbesondere die Erreichbarkeit des Parkhauses Dachauplatz sowie die Zu- und Abfahrten der Räume der zentralen Altstadt.

 

Um die notwendige Reduzierung der Verkehrsmengen in der D.-Martin-Luther-Straße auf ein für die Stadtbahn verträgliches Maß erzielen zu können, werden folgende Maßnahmenansätze vorgeschlagen:

 

-          Im Bereich der geplanten Stadtbahnhaltestelle "Dachauplatz" in Fahrtrichtung Süd auf Höhe des Parkhauses wird die Durchfahrt für den Kfz-Verkehr in Nord-Süd-Richtung unterbrochen (der Radverkehr kann weiterhin über den Radweg diese Relation befahren). In diesem Zuge entfällt zugleich der Linksabbieger aus dem Minoritenweg in Richtung Süden/Hauptbahnhof. Die Zu- und Ausfahrt zum / vom Parkhaus Dachauplatz aus / nach Norden, Süden und Osten sowie auch die Ausfahrt aus dem Parkhaus bleiben wie im Bestand möglich. Die direkte Durchfahrung vom Unteren Wöhrd über die Eiserne Brücke oder die Thundorfer Straße Richtung Bahnhof bzw. Galgenbergbrücke wird aber unterbunden.
 

-          Zur Vermeidung von unerwünschten Ausweichrouten des Nord-Süd-gerichteten Kfz-Verkehrs wird des Weiteren die Durchfahrt der Dr.-Wunderle-Straße unterbrochen (z.B. Poller), so dass ins Parkhaus Dachauplatz zwar wie gewohnt ein- und ausgefahren, das Gebäude selbst aber nicht mehr umfahren werden kann.

 

-          Die Zufahrten aus der Adolph-Kolping-Straße und dem Minoritenweg dienen damit ausschließlich der Erschließung der östlichen Altstadt und des Parkhauses am Dachauplatz. Auch bleiben diese Bereiche, wie auch heute, über die Landshuter Straße aus dem Stadtsüden oder -osten weiterhin erreichbar.
 

-          Gemäß dem Verkehrskonzept der Planung Bahnhofsvorfeld (kepleR+) ist am Knotenpunkt D.-Martin-Luther-Str. / Landshuter Str. von der Landshuter Str. kommend für den MIV nur noch das Rechtseinbiegen möglich. Busse können weiterhin links einbiegen. Um die Erreichbarkeit für das Parkhaus am Petersweg sowie der südlichen Altstadt weiterhin zu gewährleisten, wird die Luitpoldstraße für beide Fahrtrichtungen freigegeben.

 

Die Erschließung und Erreichbarkeit der Parkhäuser am Dachauplatz als auch am Petersweg sind weiter gewährleistet. Ergänzend sollte zur Inbetriebnahme der Stadtbahn das Parkleitsystem an die dann vorherrschende Situation angepasst werden, um frühzeitig zu informieren, wenn Parkhäuser bereits belegt sind.

 

Für den Knotenbereich Galgenbergstraße/Furtmayrstraße/Friedensstraße wird zudem erforderlich, dass für den Kfz-Verkehr sowohl das Linksabbiegen von Norden in die Furtmayrstraße als auch das Linksabbiegen von Süden von der Galgenbergstraße in die Friedensstraße entfällt.

 

Aufgrund der Bedeutung für die betriebliche Stabilität einerseits und der verkehrlichen Komplexität andererseits wurde seitens des Ingenieurgemeinschaft des Masterplans bzw. dessen Nachunternehmen ZIV - Zentrum für integrierte Verkehrssysteme GmbH, das für die verkehrstechnischen Untersuchungen zuständig ist, eine sog. Mikrosimulation des Verkehrsablaufs erstellt. Hiermit kann für die unterstellten Maßnahmen der Verkehrsablauf anschaulich dargestellt werden.

 

 

4. Variantenüberlegungen und Planungsempfehlung

 

Verknüpfung zentrale Haltestelle Ernst-Reuter-Platz

 

Auf Basis des Ergebnisses der Brückennachrechnungen zur bestehenden Galgenbergbrücke und Brücke über die Bahnhofstraße (CRC-Brücke) wird der weiteren Planung die Nutzung der Bestandsbauwerke für die Überfahrt mit der Stadtbahn zu Grunde gelegt (Sitzung des Ausschusses für den Neubau einer Stadtbahn am 09.03.2023; VO/23/19872/68). Die Zentralhaltestelle im Verknüpfungsumfeld des Hauptbahnhofs kommt somit am Ernst-Reuter-Platz zu liegen, an dem eine barrierefreie Anlage dieser verkehrswichtigen Haltestelle möglich ist. Die Lage der Stadtbahnhaltestelle in Seitenlage der D.-Martin-Luther-Straße war bereits im Rahmen der Planungen zum Bahnhofsumfeld (kepleR+) bzw. im Vorfeld des Wettbewerbs um den Ernst-Reuter-Platz diskutiert worden. Umsteigewege zum geplanten ZOB im östlichen Bahnhofsvorfeld ergeben sich hier in einer Distanz von ca. 150 Metern; in gleicher Distanz ist die Altstadt erreichbar. Die Wegebeziehungen von und zur Haltestelle und deren gestalterische Einbindung in das Konzept kepleR+ sowie auch die Radverkehrsführung in diesem Bereich sind bei Wiederaufnahme der Planung kepleR+ noch weiter auszuplanen. Berücksichtigt werden sollten hierbei auch die funktionalen Anforderungen künftiger Netzerweiterungen für den Linienast in den Stadtwesten mit einer weiteren Haltestellenlage in der Albertstraße.

 

 

Eingriffe in Baumbestand und dispositionsbeschränkte Flächen 

 

Durch die Haltestelle am Ernst-Reuter-Platz in Seitenlage und die hierzu erforderliche Trassenverschwenkung sind Eingriffe in den Baumbestand an dieser Stelle unvermeidbar. In den nördlich angrenzenden Grünbereichen kommt es zudem zu Eingriffen in dispositionsbeschränkte Flächen, zu diesen ist eine Abstimmung mit dem Freistaat erforderlich.

 

Im Gesamtabschnitt der Innenstadtachse-Süd (zwischen Landshuter Straße und Furtmayrstraße) gibt es insgesamt 88 Baumstandorte, von denen 26 der Baumschutzverordnung unterstehen. Durch Umgestaltung der Verkehrsanlagen gemäß der vorgeschlagenen Planung sind in diesem Gesamtabschnitt 43 Bäume betroffen, davon befinden sich im Abschnitt zwischen Landshuter Straße und Albertstraße 24 Bäume.

Um in diesem Abschnitt einen höheren Baumerhalt zu ermöglichen, wurde ergänzend eine weitere Variante für eine Ausformung der Haltestelle mit einer gespreizten Trassenführung geprüft. Hiernach können im Abschnitt zwischen Landshuter Straße und Albertstraße im Vergleich zur vorgeschlagenen Variante zwar sechs weitere Bäume erhalten werden. Allerdings ergeben sich hierdurch auch größere Eingriffe in die dispositionsbeschränkten Flächen sowie Einschränkungen für die Nutzbarkeit der Flächen des ehem. Keplergebäudes, das derzeit vom Interims-ZOB genutzt wird. Zudem würde die künftige Netzerweiterung in Richtung Stadtwesten hierdurch eingeschränkt, weshalb eine solche Lösung nach derzeitigem Stand nicht favorisiert wird.

Die für den dargestellten Vorentwurf und die weiteren untersuchten Varianten erstellte erste Bilanzierung der Baumeingriffe kann Anlage 4 entnommen werden. Aktuell sind vertiefende Untersuchungen zu den Baumeingriffen sowie eine Potenzialanalyse zum Natur- und Artenschutz in Bearbeitung.

 

 

Neues Rathaus - Durchfahrt Ratssaal und Ausfahrtsunterführung Parkhaus Dachauplatz

 

Auf Höhe des Neuen Rathauses muss die Trasse in Fahrtrichtung Nord durch die westliche der beiden Durchfahrten unter dem Ratssaal geführt werden (Anlage 5). Da für die Gebäudedurchfahrt der Stadtbahn ergänzende technische Vorkehrungen zu treffen sind, die im Falle eines Entgleisens der Stadtbahn einen Anprall des Fahrzeugs an das Gebäude ausschließen, sind hierfür die geeigneten und gestalterisch integrierbaren Lösungen noch zu untersuchen (z.B. Konzepte zu Führungsschienen oder Anprallsockel). Eine Mitbenutzung dieser Durchfahrt für den Kfz- oder Radverkehr ist aus diesem Grunde ausgeschlossen.

 

Auf Höhe der Einmündung des Minoritenwegs wird die Stadtbahnführung zudem gekreuzt durch den Ausfahrtstunnel des Parkhauses am Dachauplatz. Die Tragfähigkeit der Decke dieses Bauwerks wird für den zusätzlichen Lasteintrag der Stadtbahn aktuell untersucht. Hierzu finden auch ergänzende Untersuchungen am Bauwerk bzgl. der Bewehrungslagen statt, die in die auch für dieses Ingenieurbauwerk durchzuführende Nachrechnung einfließen.

 

 

Weiteres Vorgehen:

 

Es wird empfohlen, die mit der heutigen Sitzung vorgestellten Pläne der weiteren planerischen Detaillierung und Abstimmung zu Grunde zu legen. In diesem Abschnitt sind noch weitere Abstimmungen hinsichtlich mehrerer Belange zu führen und zu berücksichtigen. Hierzu gehören neben den vorn genannten Prüfpunkten bzw. Prüfaspekten auch die Abstimmung der betrieblichen Fragen des Spartenunterhalts (v.a. Kanal) und kommunalen Dienstleistungen im öffentlichen Raum. Besonders zu berücksichtigende Belange im Bereich des Ernst-Reuter-Platzes sind Eingriffe in Bestandsgrün (Analyse Natur und Artenschutz), die in gesonderten Untersuchungen abgeprüft werden.

 

Der beabsichtigte Eingriff in das Gartendenkmal Ostenallee und in dispositionsbeschränkte Flächen bedarf noch der Genehmigung durch den Freistaat Bayern (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Regierung der Oberpfalz). Zu den Planungen im Altstadtbereich wird zudem das Welterbe-Steuerungskomitee eingebunden.

 

Zu prüfen ist außerdem, ob die Luftmessstation des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) in der derzeitigen Lage verbleiben kann. Eine eventuelle Verlegung ist im weiteren Verfahren zu prüfen und mit dem LfU abzustimmen.


 

Der Ausschuss beschließt:

  1. Der Sachstandsbericht der Verwaltung wird zur Kenntnis genommen.
  2. Die Verwaltung wird beauftragt, die im Sachverhalt aufgezeigten Maßnahmen zur Verkehrsreduzierung - insbesondere in Bezug auf die Achse D.-Martin-Luther-Straße als zentrale Stadtbahnachse - zur Grundlage der laufenden Vorentwurfsplanung zu machen und die Maßnahmen in den Überlegungen zum Altstadterschließungskonzept weiter zu prüfen.

 


Anlagen:

 

 

  1. Planentwurf Verkehrsanlage Innenstadtabschnitt Nord (Arbeitsstand 04/2023)
  2. Planentwurf Verkehrsanlage Innenstadtabschnitt Süd (Arbeitsstand 04/2023)
  3. Planentwurf Verkehrsanlage Innenstadtabschnitt Süd mit Planung kepleR+/ZOB
  4. Eingriffsbilanz
  5. Querschnitt D-Martin-Luther-Str. – Höhe Neues Rathaus
  6. Hinweise der Straßenverkehrsbehörde
  7. Klimavorbehalt

 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Anlage 1_Planungsstand Innenstadtachse Nord (7647 KB)    
Anlage 2 2 Anlage 2_Planungsstand Innenstadtabschnitt Süd (10645 KB)    
Anlage 3 3 Anlage 3_Planungsstand Innenstadtabschnitt Süd mit Planung ZOB - kepleR-Plus (18842 KB)    
Anlage 4 4 Anlage 4_Eingriffsbilanz (2237 KB)    
Anlage 5 5 Anlage 5_Querschnitt_Rathaus (360 KB)    
Anlage 6 6 Anlage 6_Hinweise der Straßenverkehrsbehörde (277 KB)    
Anlage 7 7 Anlage 7_Klimavorbehalt Stufe 3 (189 KB)